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Es ist besser ein kleines Licht zu entzünden, als …

„Es ist besser ein kleines Licht zu entzünden, als über die Dunkelheit zu schimpfen.“

Geschätzte Leserinnen und Leser

Viele kennen diesen Spruch, der besonders in der dunklen Jahreszeit gerne zitiert wird. Er soll vom asiatischen Philosophen Konfuzius stammen.

Fünfhundert Jahre später wird in Bethlehem Christus geboren. Er sagt als junger Mann von sich: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Joh 8,12) Als das ‚wahre Licht’ entzündet er in seinen Jüngern ein ‚Feuer der Liebe’ und bezeichnet sie deshalb ebenfalls als Licht:

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„Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5,14)

Wir Menschen sind es also, welche die Anlage haben, ein Licht zu sein oder zu werden. Doch oft ist der Docht unseres Herzens – die Liebesfähigkeit – noch gar nicht entzündet. Oder er ist nur am Glimmen, vielleicht gar ausgelöscht. Solche Menschen kommen bei uns auf der „Fazenda da Esperança“, dem „Hof der Hoffnung“, an: abgelöscht, gescheitert, vielfach verachtet und ohne Selbstachtung, aufgegeben, ohne Perspektive und Hoffnung, gefangen im Suchtverhalten … doch mit einem Herzen, das sich im Tiefsten sehnt nach Vertrauen, nach geliebt sein, mit einem Herzen, das für die Liebe geschaffen ist.

Und was finden diese Menschen hier? Brüder, die vielleicht auch mal an diesem Punkt waren, deren ‚glimmender Docht’ bei uns nicht ausgelöscht, sondern neu entfacht wurde, die hier Wertschätzung und Geduld gefunden haben, die sich hier die Kunst des Liebens aneignen und so zu Licht werden. Brüder, die das Dunkel im Körper, im Geist und in der Seele zu vertreiben beginnen.

Zwei von ihnen konnten wir im Laufe der vergangenen Monate nach ihrem vollendeten Jahr der ‚Rekuperation’ das ‚Diplom’ überreichen. Einer von ihnen beschreibt nachfolgend in kurzen Worten, was mit ihm geschehen ist:

«Durch meine jahrelange Alkoholsucht habe ich letztendlich alles verloren. Meine Ehe ging in die Brüche, ich verlor meine gut bezahlte Arbeit und geriet in die Schulden. Schliesslich bin ich als letzte Hoffnung auf der Fazenda gelandet, ohne zu wissen, was auf mich zukommen würde. Die ‚Rekuperation‘ dauert 1 Jahr. Rekuperieren bedeutet ‚wieder gewinnen‘. Doch was sollte bzw. wollte ich denn eigentlich wiedergewinnen? Ich merkte schnell, dass es nicht darum ging, ‚Dinge‘ wieder zu gewinnen. Es ging vielmehr darum, mich selbst wieder zu gewinnen, meine eigenen Lebenskräfte und Perspektiven für das Leben. Und genau das versuchte ich zu tun. Ich hatte zwar alles verloren, was ich besass, aber ich habe im Laufe des Jahres wieder alles zurückgewonnen, was ich bin! Die grösste Hilfe auf diesem Weg war für mich die tägliche Ausrichtung auf unser ‚Wort des Tages‘. Wir versuchten, aus dem Evangelium jeden Tag einen positiven Impuls zu gewinnen, der sich ins Leben umsetzen liess, z.B. ‚vergeben und vergessen‘ oder ‚dienen‘ oder ‚den Vorteil des anderen suchen‘. Das hört sich vielleicht banal an, hat aber ungeahnte Auswirkungen, wenn alle in der Gemeinschaft das zu leben versuchen. Ich wünsche denen, die wegen ihrer Sucht oder aus irgendeinem Grund ohne Hoffnung sind, den Mut, diesen Weg auf dem „Hof der Hoffnung“ (Fazenda da Esperança) zu wagen. Man kann nur gewinnen!»

Nicht alle, die bei uns ihre Rekuperation beginnen, halten durch. Oft ist der Sog der Vergangenheit oder der Genusswelt noch zu stark. Einer beispielsweise hat schon nach einer Woche beim Abschied gesagt: „Hier ist wirklich ein Stück Paradies. Und ich weiss genau, dass dies hier der richtige Weg für mich wäre. Aber ich bin noch nicht so weit. Es zieht mich wieder hinaus.“ Auch wenn X. nur einige Tage bei uns war, so ist er doch unser Bruder geworden und das Loslassen tut weh, vor allem weil ein weiterer Absturz vorauszusehen ist. Und doch, unser ‚Bruder’ hat die Hoffnung berührt und damit Gott. Dieser möge ihn führen.

„Euer Licht soll vor den Menschen leuchten, …!“ (Mt 5,15)

Es sind Hunderte, ja wohl gegen tausend Menschen, die im Laufe der verflossenen Monate bei uns ein- und ausgegangen sind: Pilger, Schulklassen, Jugendgruppen, Familien, Einsame, Wanderer, Radfahrer, Sportler, Handwerker, Denkmalpfleger, Nachbarn, Regierungsleute, Kunstinteressierte, Studierende, Praktikumsteilnehmer, Auszeitnehmende, Suchende, Erfolgreiche und Gescheiterte, Belastete und Aufgestellte, Neugierige, etc. Immer wieder dürfen wir erleben, wie diese Menschen angesprochen, berührt, bestärkt, entspannter und froher weggehen.

Wenn wir z.B. an das eindrückliche Erlebnis denken, das sich gerade kürzlich abgespielt hat. Da war eine gemischte Gruppe von 16 Personen bei uns zu Gast, verschieden punkto Alter und Herkunft. Sie übernachteten in den ehemaligen Klosterzellen, nahmen an unseren Mahlzeiten im antiken Speisesaal mit dem riesigen Kachelofen teil und genossen die Geborgenheit und Harmonie dieses Ortes, der als hervorragender ‚Kraftort’ einen Namen hat.

Diese Frauen und Männer kamen zu uns, um hier „Jesus von Nazareth – heute“ zu begegnen. Denn so lautete das Thema ihrer Einkehrtage. Die Gruppe wünschte sich zudem, dass die geistlichen Impulse von unserer Seite eingebracht würden.

Aber wer sind wir schon, wir von der Fazenda, wir als derzeit kleine, fünfköpfige Gemeinschaft? Wir sind doch nicht geschult für eine so anspruchsvolle Aufgabe gegenüber diesen Menschen, die sich mitten in den hohen Anforderungen des Berufs- und Familienlebens oder des Alters befinden! Wo doch so mancher von uns Bewohnern nur eine ‚Karriere des Versagens’ vorzuweisen hat – Auswirkungen eines Suchtverhaltens.

Trotzdem, wir haben zugesagt. Warum? Weil wir zwar ‚arm’ sind, nichts zu verlieren haben, jedoch viel zu geben und viel zu empfangen vermögen! Denn wir können unser Zeugnis, unsere Hoffnung einbringen, welche wir hier gewinnen. Sie ist gereift durch unser gemeinschaftliches Leben, das sich vom Evangelium inspirieren lässt. Ebenso durch unser Arbeiten und durch die tägliche, spirituelle Vertiefung.

Das ist ‚unsere Stärke’, dass wir hier lernen, Licht zu sein. Dann – so hat es uns Jesus, das LICHT, zugesichert – wird ER mitten unter uns sein und Wunder bewirken.

Genau das haben die TeilnehmerInnen an diesem Wochenende erlebt. Sie verabschiedeten sich so froh, so erfüllt von neuer Kraft und Hoffnung … und haben gleich für das nächste Jahr wieder gebucht.

…, damit sie eure guten Werke sehen und den Vater im Himmel preisen.“

„Oh, wie schön ist es hier!“ Wir sind uns schon fast gewohnt, diesen Ausruf der Bewunderung von ankommenden Gästen zu hören. Es ist einerseits die 400jährige Klosteranlage in ihrer Ursprünglichkeit, welche dermassen anspricht. Aber es ist auch die Sauberkeit, hinter der viel Arbeit der Bewohner steckt. Es sind die Blumen und Rabatten, bepflanzt und gepflegt durch freiwillige HelferInnen. Es sind die zutraulichen Haustiere.

Nach aussen leuchtet die frisch getünchte Klostermauer, das alte Tor zum Innenhof ist in langer, geduldiger Arbeit geschliffen und restauriert worden. Im Klostergang lässt die neue stromsparende Beleuchtung die alten Bilder und Truhen wieder zur Wirkung kommen. Im Wohnhaus sind der schiefe Boden und die undichte Wand des Spielraumes, der über dem Kuhstall liegt, neu ausgelegt worden. Es ist nun ‚heimelig’ und auch im kalten Winter angenehm, dort Billard zu spielen oder sich am ‚Töggelikasten’ zu messen.

Doch es gibt an allen Ecken und Enden noch viel zu reparieren und auszubauen. Natürlich können wir all das nicht allein mit unseren Mitteln und Kräften tun. Wir müssen Fachleute beiziehen und die Material- und Energiekosten konnten und können wir nur dank grosszügiger Unterstützung von Gönnern, Institutionen und Kollekten bewältigen. Ihnen allen ein grosses „Vergelt’s Gott!“.

Vielfalt in unserem Hofladen

Unser Schwerpunkt liegt nicht auf der Bereitstellung und dem Verkauf von Eigenprodukten. Doch statt die Brennnesseln wuchern zu lassen, haben wir sie getrocknet und bieten sie nun als verdauungsfördernden Tee an. Aus Pfefferminze ist feiner Sirup entstanden, ebenso aus Zitronenmelisse. Die Lavendelblüten sind in Duftsäckchen verpackt und warten darauf, Motten zu vertreiben. Eine Werklehrerin, welche während ihres Bildungsurlaubes bei uns arbeitete, hat exquisite, elegante Einkaufstaschen gefertigt. Die feinen Konfitüren, die getrockneten Birnen- und Apfelschnitze hingegen sowie andere Eigenerzeugnisse werden meist schon am eigenen Tisch verzehrt, bevor sie in unserem Hofladen zur Verfügung stehen. Eine Frau hat warme Mützen, Handschuhe, Socken, etc. gestrickt. Sie werden zum Kauf angeboten und der Erlös kommt der Fazenda zu Gute. Im Hofladen gibt es auch eine Fülle von anderen begehrten Produkten aus anderen Fazendas, z.B. Café da Esperança, AloeVera-Produkte, Tucum-Ringe und T-Shirts aus Brasilien, schöne Karten und Bücher usw.

Agenda

3. Juni 2018, 11-17 Uhr, Hoffest – Mit Imbiss, Führungen, Spiele, Zeugnis, Gottesdienstgelegenheit
Datum folgt: Mitgliederversammlung

Dank, Dank, Dank…

Was wir u.a. brauchen könnten:
– Scanner mit autom. Seiteneinzug
– Volleyballnetz
– Wanderschuhe ab Gr. 43
– Schneeschuhe
– Tumbler

DANK dem guten Arbeitseinsatz unserer Leute und den unzähligen Stunden durch Freiwillige, dank Sparsamkeit, Aufschub von gewissen Investitionen und auch dank der grosszügigen Unterstützung von vielen kleineren und grösseren Spenden konnte das vergangene Jahr mit einem mässigen Ertragsüberschuss abgeschlossen werden. Das Aufgeschobene haben wir nun im laufenden Jahr realisiert und hoffen, eine möglichst ausgeglichene Rechnung erzielen zu können. Dabei vertrauen wir einmal mehr darauf, dass uns die ‘Vorsehung’ – dazu zählen wir auch den Spendeneingang – helfen wird.

Wir DANKEN herzlich für Ihre bisherigen und künftigen Gaben!

Alle Spenden und der Mitgliederbeitrag (Fr. 50.-) an den Förderverein können in der ganzen Schweiz als freiwillige Zuwendungen von den Steuern abgezogen werden. Für alle einbezahlten Beträge stellen wir Ihnen jeweils eine Spendenbestätigung zu.

Mitglieder- und Spendenkonto:

Förderverein Fazenda da Esperança CH, Klösterli, 9630 Wattwil
Konto: 90-2722-7        IBAN: CH80 8131 7000 0051 3788 2          BIC: RAIFCH22
Raiffeisenbank Mittleres Toggenburg, 9630 Wattwil

im November 2017